St. Anna 2/2 „Verlegung“

Tag 2/2

Kurz vor Zwölf auf der normalen Station gelandet. 3er Zimmer. Im TV läuft „arte“. Zwei ältere Männer hier. Fensterplatz. Draußen Baustelle.

Fischroulade mit Kartoffelgemüse. Hm. Aber passt schon. Konnte für Frühstück auf Semmeln statt lätschertem Brot umbestellen.

Die Internationalität des Personals gefällt mir.

Heute Vormittag schoss mir durch den Kopf, dass es irre ist, mit welch riesigem Aufwand erst diagnostiziert wird, und die Therapie dann aus einer winzigen braunen Tablette in einem winzigen Becherchen besteht. Vor meinem geistigen Auge sah ich den riesigen Apparat auf der einen Seite, und das Becherlein mit dem braunen Mini-Teil auf dem Frühstückstablett auf der anderen Seite. Faszinierend. Blutverdünner. Möge er helfen.

So interessant die „Nachtzug-Fahrt“ auch war – jetzt merke ich den wenigen Schlaf. Auf arte läuft ein Film über Brancusi und das bäuerliche Rumänien, der ist schön und macht angenehm schläfrig. Hatte die Befürchtung, es würde RTL 2 oder so’n Zeug laufen. Erneut Glück gehabt, diesmal in einer harmlosen Variante.

Nach Voll-Verkabelung jetzt ein EKG to go um den Hals. Der Alte bei der Tür erzählt von seiner Krankenhaus-Odyssee und was er alles hat… puh…

Arte, Nachmittag: „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“. Ein Klassiker, den ich erstmals komplett gesehen habe. Sehr zeitgebunden, sehr großartig. Danach ein Film über einen Markt in Palermo. Street Food, wilder Fenchel, Sardinen, kandierte Früchte, Panacotta-Kuchen… Vielfalt, die Hunger macht. Die Innereien vielleicht nicht so. Obwohl, mit schwarzem Pfeffer und Zitrone?

Einschub: Herzschlag klingt wie Drum’n Bass – heute früh beim Herz-Ultraschall, der gelegentlich mit Ton kam. Cool, da kann man mit arbeiten… umpf-umpf.

Keine strikte Bettruhe mehr. Zimmer genau gegenüber vom Haupteingang, wo ich diese St. Anna-Welt gestern betrat. Kommt mir vor wie eine Woche. Der Nachtzug-Aktion-Effekt. Kein Wunder, dass ich heute Nacht eine Zugfahrt imaginiert habe.

Von A. mit Ladegerät, Apfeltasche, Speckstange, der „Zeit“ und „Pooh’s Corner“ versorgt worden. Und mit einem Kärtchen von R., B. und T.. Fein! Jetzt wohl erstmal Lektüre statt Schreiben und Zeichnen.

Einschlaf-Schwierigkeiten wegen chronischer Bronchitis des einen Mitpatienten, dem ein Großteil der Lunge entfernt wurde. Dazu gluckert eine Infusion, es klingt wie ein Brunnen.

Merkwürdige Dialogfetzen höre ich in der Dunkelheit. Fernseher nebenan, oder spielt mir das Gehirn einen Streich? Kurz dachte ich, dass ein Smartphone liefe, es läuft aber keins. Manchmal klingt es wie Reden im Schlaf. Auch mein direkter Nachbar schnauft und röchelt gelegentlich. Vielleicht erzeugt akustische Überlagerung den Eindruck von Stimmen? Bei Licht ist nichts zu hören.

Zuvor, nach „Zeit“-Lektüre (Brexit-Aufschub, irische Grenze, Appeasement Chamberlain…), mit B. telefoniert und für die Karte bedankt. Danach erwartungsgemäß in „Pooh’s Corner“ festgelesen. Highlight: die Liebeserklärung an Roger Boylan + „Killoyle“.

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