Albtraum

img_6373

Des Malers Albtraum: Wenn Bilder zu bemalten Stücken Stoff mutieren, die im Weg stehen und weg müssen. Ausgestellt, in Katalogen abgebildet, im Blog mit Texten ergänzt, Anlass für bereichernde Gespräche, anerkannt, bewundert, von manchen gar geliebt… all die Abenteuer im Atelier, die Mühen, der Hirnschmalz, die Kämpfe, die Glücksgefühle… hinfällig, das Zeug muss weg.

Was war geschehen?

Nach einer sehr schönen Ausstellungs-Eröffnung musste ich mir aus verschiedenen Gründen ein neues Atelier suchen und bekam sehr schnell von einem Bekannten das Angebot, übergangsweise in seinem Ladenlokal arbeiten zu können, er werde dort erst in ein paar Monaten einziehen. Beglückt nahm ich das Angebot an. Arbeiten und nebenher in Ruhe ein neues Atelier suchen, das klang gut. Schon nach drei Wochen klang es nicht mehr gut, ich müsse jetzt ganz schnell dort raus. Der Raum wuchs immer mehr zu, Malen wurde unmöglich, und panisch verschickte ich Rundmails, belästigte meine Facebook-Freunde, ging (vergeblich) zum Kulturamt usw.. Ich hatte schöne Telefonate mit vielen geschätzten Kollegen, aber es fand sich kein Raum, noch nicht mal ein Lagerplatz, so dass es schließlich kam, wie es kommen musste: In einer schlaflosen Nacht stand in Großbuchstaben das Wort „Müllverbrennung“ vor meinem geistigen Auge, in bunten Neonfarben. Schweißgebadet wälzte ich mich hin und her, immer begleitet vom Gedanken „DAfür also habe ich mich all die Jahre abgeplagt“.

Wenn ein Bild nicht gelingt oder nicht so wird, wie ich es mir vorgestellt oder erträumt hatte, kann das ähnliche Panik-Attacken auslösen, in denen ich alles bisher Geschaffene in Frage stelle und mich selbst für ein einziges Missverständnis halte, aber das ist der normale künstlerische Prozess, mit dem man umzugehen lernt. Ein paar Korrekturen, ein paar wütende Veränderungen am Bild, und schon ist wieder Euphorie und Glück angesagt. Wenn aber nicht Zweifel an, sondern die konkrete Vernichtung der so mühsam erkämpften oder leichthändig einfach passierten Bilder droht – das ist ein anderes emotionales Kaliber.

Genug davon.

Freunde brachten nach der Horror-Nacht die Möglichkeit einer Lager-Box ins Spiel. Dort liegen die Bilder nun erstmal sicher im Dornröschenschlaf. Vielleicht kann ich mir mit ein wenig Umräumen eine Möglichkeit schaffen, zuhause zu arbeiten, was ja viele Kollegen tun, oder vielleicht finde ich auch noch einen passenden kleinen Raum. Und während ich das schreibe fällt mir ein, dass kürzlich mein einjähriges Blog-Jubiläum war. Die Bilder liegen also gar nicht im Dornröschenschlaf, sondern sind präsent, sogar weltweit! Zum Schluss deshalb ein herzliches Dankeschön an die bisher mehr als zweitausend Besucher!!!

Advertisements

1 Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s