2x „Raschötz“

Nach dem Beitrag über die von mir liebevoll nur „Bä“ genannte Peterer-Scharte fiel mir ein, dass ich noch zwei viel eindrucksvollere Beispiele für den Einfluss von Nikotin auf Bilder habe. Die Vorlagen waren nach der hier beschriebenen Tour entstanden, die ich einen Tag nach der bei „Kloster Säben“ beschriebenen gemacht hatte. Wer sich über das kleine Schwaben-Bashing mokieren möchte, darf das gerne tun, aber sie neigen nun mal dazu, recht laut zu sein. Das weiß ich, weil ich gute Freunde habe, die aus dem Ländle kommen.

Schnee

Nach dem gestrigen Gewitter-Nachmittag hatte sich das Wetter am Abend beruhigt und man sah im Abendrot, dass der Regen ab einer gewissen Höhe auf den Bergen als Schnee niedergegangen war. Ein weißer Schimmer lag auf den Gipfeln. Somit war klar, was heute zu tun ist: noch mal zur Peterer. Ohne den Bruder, der gestern abgereist war, und unter völlig anderen Wetter-Bedingungen. Da die letzte Begehung erst zwei Tage zurückliegt, ist das Orientierungsproblem heute keines. Das neulich düstere Wäldchen ist sonnendurchflutet. Wie an einer Schnur gezogen eile ich zur Ochsenalm hoch. Dort liegt Rauhreif. Im danach folgenden Waldstück ist an manchen Stellen bereits ein Puderzucker-Überzug auf dem Gras. Im weiteren Verlauf wird der Weg zunehmend weißer. Strahlender Sonnenschein macht mich euphorisch, aber dieses Glücksgefühl wird noch übertroffen von dem, was ich oben an der Scharte sehe: knallweiß breitet sich die Wiese vor mir aus, zentimeterhoch liegt der Schnee und glitzert und funkelt und strahlt vor dem Hintergrund des vorgestern im trüben Nebel verschwundenen Panoramas. Aus purer Freude werfe ich ein paar Schneebälle durch die Gegend, bevor ich hinüber zur westlichen Raschötz gehe. Es sind heute viele Schönwetter-Wanderer unterwegs. Wahrscheinlich saßen sie vor zwei Tagen beleidigt in ihren Hotelzimmern im Grödner Tal. Vielleicht waren sie auch im Museum. Oder im Wellness-Bereich des Hotels. Oder Shoppen. Geht mich eh nichts an, kann mir egal sein. Dieses Mal gehe ich noch hoch zur Außerraschötz und mache dem dortigen Gipfelkreuz meine Aufwartung. Immer mehr Leute kommen inzwischen hier an, und immer mehr wird hier oben schwäbisch geschwätzt. Bevor es beginnt, mir die besinnlich-zufriedene Stimmung zu verhageln, mache ich mich schnell an den Abstieg. Am Tschatterlinsattel gehe ich diesmal nach links, weil ich oberhalb der Amberg-Hütte hinunter zum Gnollhof will, um dort einzukehren. Aber schon nach einem halben Kilometer finde ich mal wieder den richtigen Abzweig nicht und irre im Wald umher, probiere es auf verschiedenen Pfaden, die aber mehrheitlich unvermittelt enden oder in die falsche Himmelsrichtung führen. Sehr lange gehe ich mit Zuversicht einen Steig entlang, bis auch dieser im Nirgendwo endet. Querfeldein zu gehen ist hier unmöglich, weil der Wald inzwischen sehr steil geworden ist. Also steige ich alles wieder zurück und gelange in flacherem Gelände auf einen Pfad, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich ihn auch schon ausprobiert habe. Habe ich aber nicht, denn nach ein paar Metern entdecke ich die Markierung, die mir anzeigt, dass ich mich entspannen kann: der Groß-Verlaufer ist überstanden. Beschwingt freue ich mich auf die Jause. Als ich jedoch aus dem Wald komme und einen ersten Blick auf die Hütte werfe ist sofort klar: hier bestimmt nicht. Die „Hütte“ erweist sich als ein riesiges Hotel. Im Garagen- und Parkplatzbereich stehen nahezu ausschließlich dicke Autos mit deutschen Kennzeichen. Erster Gedanke: Rentner-Schließfach. Kurz bin ich versucht, trotzdem den Biergarten aufzusuchen. Aber zweiter Gedanke: So schnell wie möglich weg von hier. Kurz darauf bin ich wieder im Wald, wo ich über einen Zaun hinüber muss. Der Weg führt dort offiziell entlang, und die paar Kühe, die sich in der Schmalheit des Weges tummeln, werden mir wohl nichts tun. Dummerweise fällt mir die Tal-Durchwanderung in Antholz ein, auf welcher Berni und ich von einer aufdringlichen Kuh verfolgt wurden. Der Weg war ähnlich schmal und das Tier eilte so nervös hinter uns her, dass wir bald selbst nervös wurden. Aus der Nähe betrachtet sind diese Viecher ganz schön groß. Wir nannten sie hinterher „Die böse Kuh“. Als wir sie an einem Zaun zurücklassen konnten, bemerkten wir ihr prall gefülltes Euter. Vermutlich musste sie gemolken werden. Leider konnten wir nichts für sie tun. Wirklich entspannt bin ich dementsprechend nicht, als ich an den Tieren vorbeikomme. Aber sie lassen mich in Ruhe, glotzen allenfalls neugierig. Als Einkehr-Alternative hatte ich mir das Gasthaus in Mittermühl ausgesucht, aber auch dort werde ich enttäuscht: Gasthaus geschlossen, und Bus fährt heute keiner mehr. Mit anderen Worten: müde und hungrig muss ich noch etwa fünf Kilo- und dreihundert Höhenmeter an der viel befahrenen Talstraße entlang laufen. In brütender Hitze. Mahlzeit. Immerhin entdeckt man viele Details, wenn man an einer Straße zu Fuß unterwegs ist. Allerdings würde ich darauf gerne verzichten, viel lieber säße ich jetzt im Bus.

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2 Kommentare

  1. Obwohl ich schon mehrfach die Erlebnisberichte besonders besonderer Wanderungen und Wege des lieben Peter in verschiedenen Zuständen zu Augen und Ohren zugetragen bekommen habe…Immer wieder kurzweilig schön, mit den Bildergeschichten im Zeitraffer mitgenommen zu werden. Late night Spätwanderung. Hauptsach: noch ein bissl draußen gewesen. Zum Glück kann man sich bei Peters Bilder-Geschichten und Geschichten-Bildern kaum verlaufen: ist alles gut ausgeschildert und beschrieben 😉 Und am Ende gibt´s (fast immer) eine gute Jause oder Einkehr. Geht sich aus!

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