„Peterer-Scharte“

Peterer-Scharte
35/50 cm, 2011

Ein Blick zu meinem Wohnzimmer. Gestern erst unterhielt ich mich mit einer Freundin darüber, wie schön die innere Unruhe ist, wenn man in den Bergen angekommen ist und endlich los will. Beim Weg zu dieser Scharte geht mir das extrem so. Am ersten Tag im Villnößtal machen die Familie und ich traditionell eine entspannte gemeinsame Tour, was immer sehr schön ist, aber richtig angekommen fühle ich mich immer erst, wenn ich das hier zu erahnende Geröllfeld durchstiegen habe und oben auf der Raschötz stehe. Meistens bekomme ich danach sofort Lust, am nächsten Tag direkt noch einmal… aber eine Urlaubswoche ist kurz und es gibt viele wunderbare Ecken in der Gegend. Im Beitrag zum Bild „Ochengarten“ habe ich bereits über meine Faszination von diesem speziellen Weg geschrieben.

Es ist die einzige Tour, von der ich mir ein Streckenprofil gemacht habe (siehe Text zum Bild „Bergwald“), weil ich austesten wollte, wie schnell ich die 1.200 hm schaffen kann. Wo Gas geben, wo kurz erholen? Immer darauf achten, dass die rote Linie „Überanstrengung“ ein paar Meter vor mir ist! Es wurden dann 1:43 h, 700 hm pro Stunde, mein persönlicher Rekord für die Ewigkeit. Zum Vergleich: Die Messner-Brüder Reinhold und Günther, die aus dem Tal stammen, haben auf einer anderen Strecke nur etwa 500 hm geschafft, allerdings im Fels kletternd und in weniger als einer halben Stunde…

In Instagram-Beiträgen schrieb ich über die im Sommer erfolgten Besteigungen Nr. 22 und 23:

Gestern, nach einer kleinen Runde über die Ottohöhe mit Eltern, Schwägerin und Bruder, entschloss ich mich spontan, trotz der Hitze meinen Lieblingsweg zur Raschötz zu gehen. Naja, zu steigen, 1.200 hm, 5 km. Fängt steil an und bleibt steil. „Eine Aneinanderreihung von Lästigkeiten, aber WIE diese aneinandergereiht sind, DAS ist die Kunst“, schrieb ich mal über den Steig. Ab der Hütte am Ochsengarten zog sich der Himmel langsam zu und war fernes Donnergrollen zu hören. Trotzdem habe ich mich das letzte Stück durch das Geröllfeld hoch gearbeitet und wieder das Glücksgefühl erlebt, wenn der Wegweiser nach unten plötzlich auftaucht, weil das heißt: Gleich habe ich das Panorama vor mir und den Blick zurück ins Tal hinter mir… Wetterbedingt war das Panorama mit Langkofel und Geislergruppe nur eingeschränkt sichtbar. Weil kalter Wind wehte, blieb ich nur kurz und brach bald wieder auf. Erste Regentropfen. Mir fiel auf, dass der Regen nicht wie „plitsch-platsch“, sondern mehr wie „plopp-plopp“ klang. Ein Hagelschauer!!! Nach wochenlanger, drückender Hitze!!! Ich musste laut auflachen: „DAS ist die Magie der Peterer-Scharte“! Er hörte bald wieder auf, der Abstieg über die Flitzer Scharte war routiniert-unspektakulär, und kaum, dass ich zurück in der Ferienwohnung war, ging ein heftiges Gewitter los. Man konnte geradezu hören, wie das Dürre-geplagte Tal aufatmete. Ich hatte die Wettergötter mit meinem Kraftakt gnädig gestimmt.

Gestern nochmal rauf, aber nicht am Nachmittag, sondern am frühen Morgen. Anderes Licht, und Sonne statt Hagel. Vor ein paar Jahren schrieb ich mal „Das Schöne an der Peterer ist, dass, hat man diese erst mal bewältigt, alles andere nurmehr eine Dreingabe ist und somit keine große Anstrengung mehr, selbst wenn man noch einige Stunden unterwegs ist“. Stimmt immer noch.

PS: A propos Wohnzimmer, das Bild hing dort jahrelang und ist aufgrund von… also ich rauch‘ halt, es ist ein wenig vergilbt…

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