Mein Fuffzigster

Raucherzone
35/46 cm, 2018

 

Ein Malereiblog-Beitrag ohne Bild ist irgendwie unbefriedigend, deshalb ergänze ich den Beitrag mit einem ersten, skizzenhaften Ergebnis der Fahrt. Entstanden ist es nach dem ersten Foto, das ich unterwegs gemacht hatte, und zwar morgens um halb Sieben am Bahnhof in Wels, wo ich auf den Anschlusszug nach Attnang-Puchheim wartete und noch keine Ahnung hatte, wie der Tag verlaufen würde.

Warum nicht mal einen Beitrag ohne Bild? Ist ja schließlich mein ganz persönlicher Blog, in dem ich machen kann, was ich will! Außerdem gibt es hier bereits eine Menge Bild-Beiträge zum Thema „Wandern in Österreich“, in denen es um die beschriebene Gegend am Traunsee geht. Potenzielle Mal-Motive von der gestrigen Geburtstags-Nachtzug-Aktion habe ich viele mitgebracht, aber benutze die mal, wenn du völlig übernächtigt zurück gekommen bist und zwar ein dringendes Mitteilungsbedürfnis hast, aber auch Muskelkater, den Kopf voll mit 1.000 Eindrücken, und alles wie in Zeitlupe wahrnimmst. Verdichtete Zeit, so empfinde ich das. Drei Tage in einem.

Also jetzt erstmal schriftlich meine Bilder im Kopf, die ich während der Rückfahrt aufgeschrieben habe, Malerei kann ich immer noch nachreichen, falls welche entstehen sollte. Und ein paar Fotos habe ich, für wen es interessiert, bei Instagram reingestellt.

Für Ortsunkundige vielleicht ein wenig unverständlich, der Text, aber es kommt, glaube ich, ganz gut rüber, warum ich diesen speziellen Tag unbedingt an diesem Ort verbringen wollte:

Nach der Ankunft um halb Acht das halbe Stündchen hinunter zur Esplanade. Nachts kaum geschlafen gehabt, durch den Regen tapernd, trübe Gedanken im Kopf, latent missmutig. Kaum das erste mal den See erspäht bereits ein Grinsen im Gesicht. Rituale: im Trafik ein Packl „Memphis“, im „Spar“ Wasser, Semmeln, Wurst und Äpfel. An der Esplanade kurze Pause. Der Traunstein in Wolken und Dunst verschwunden. Über Rathausplatz und Traun-Brücke in Richtung Talstation Seilbahn. Von dort den Wegweisern folgend an einer Wiese und Häusern entlang über Pfade und Treppen zum Wald, zum Ortnersteig, der lästig und steil über Holzbohlen-Stufen nach oben führt. Den war ich vor einigen Jahren schon mal im Regen gegangen, bei meiner ersten Nachtzug-Aktion, und dachte „Mist, kriege ich heute erstmals schlechte Laune hier“? Kurz, nachdem ich – wie heute – auf den flacheren Mitterweg abgebogen war, kam ich damals durch die Schneegrenze und stand am Laudachsee im Schneegestöber, sehr faszinierend. Heute nix faszinierend, nur nass, und die Jausenstation am See ist zu. Aber ich habe unterwegs viele Feuersalamander gesehen und eine Brotzeit dabei, also alles bestens. Außerdem erinnerte mich die Atmosphäre an vielen Stellen an Familien-Regenspaziergänge während der Sommerurlaube hier, bei denen meine Leidenschaft für das Bergwandern erwachte. Damals musste ich meinen kleinen Bruder oft im Kinderwagen schieben, heute ihm ständig Bericht per sms erstatten, er wäre gerne mitgekommen.

Den ursprünglichen Plan, über die Hohe Scharte ins Lainautal und dort zur Mairalm zu gehen, muss ich kurze Zeit später aufgeben, weil der Steig im oberen Bereich immer glitschiger wird und ein Weitersteigen ab der ersten Seilversicherung heute fahrlässig wäre. Interessante Erfahrung, denn bei Trockenheit ist die Stelle kein Problem und macht Spaß. Heute aber zurück zum Laudachsee, umdisponieren. Mir fällt ein, dass der Abstieg von der Scharte, hinunter ins Lainautal, teilweise sehr steil ist und heute ekelhaft geworden wäre. Außerdem hat die Mairalm sowieso nicht auf, und der herrliche Miesweg ist seit Monaten gesperrt. Spitzen Glitschigkeit, so gesehen.

Abstieg in Richtung Ostufer. Währenddessen hört es auf zu regnen und klart sogar ein wenig auf. Als ich mich während einer Pause umdrehe, sehe ich erstmals die mächtige Wand des Traunsteins vor mir. In den Stunden zuvor hatte ich fast vergessen, dass es ihn gibt. Am anderen Ufer des Sees leuchtet in der Ferne das schneebedeckte Panorama des Höllengebirges in der Sonne. Es ist einer dieser Momente, bei denen ich während solcher Unternehmungen immer denke „genau deswegen bin ich hier: damit ich das erleben darf“. Sehr beschwingt laufe ich weiter, und sehr gar nicht beschwingt tappe ich später, nach Überquerung des Gschliefgrabens, den Forstweg hoch, zum Abzweig zur Kaltenbachwildnis. Nicht nur hatten am Steig zur Scharte die Muskeln übersäuert, auch machen sich Übermüdung und mangelndes Training bemerkbar. Fußlahm wie nie zuvor schleppe ich mich den Pfad durch das eindrucksvolle Fels-Panorama hoch bis zur Aussichtsbank, die meine Lieblings-Aussichtsbank ist. Den Blick über den See hinüber nach Traunkirchen und zum Sonnstein kenne ich unter verschiedensten Licht- und Wetterbedingungen, langweilig ist er mir noch nie geworden. Heute ist das Licht eher unspektakulär, außerdem pfeift kalter Wind. Bin trotzdem froh, hier zu sein. Als Abstieg wähle ich den Pfad nach Süden, weil ich zum Gedenkstein für die Traunstein-Opfer will. Im Januar gab es heuer einen tödlichen Unfall, lese ich dort. Weiter, am Moaristidl vorbei (Wiedereröffnung morgen, schade, knapp daneben) zum Seeufer. Dort in einer kleinen Bucht zu sitzen, über die fast spiegelglatte Seeoberfläche zu schauen und dem leisen Plätschern der wenigen Wellen zu lauschen, ist eines der Highlights des Tages. Von dort aus laufe ich am Ufer entlang nach Norden, memoriere Erinnerungen und bin gespannt, ob der Gasthof „Ramsau“ geöffnet hat. Allmählich habe ich Bierdurst und Hunger, und keine rechte Lust, noch die 4 km bis zur Stadt zu dackeln und eine Pizzeria oder ähnliches zu suchen. Außerdem ist der Gasthof seit Jahrzehnten ein Wohlfühl-Ort für mich. Es brennt Licht und ich kann durchs Fenster die Juniorchefin sehen. Schaut gut aus! Aber zuvor erfülle ich die Traditions-Pflicht, gehe zum Steg am Anleger, halte die Füße ins saukalte Wasser und rauche eine Zigarette.

„I hob ma scho denkt, er sieht dem Heann SO ähnlich, und jetzt sind sie‘s wiaklich“! Die Juniorchefin hatte mich durchs Fenster bereits gesehen und ich finde diese Begrüßung sehr charmant. Eine Mutter und ihr Sohn sind heute die einzigen Gäste außer mir und es stellt sich heraus, dass der Sohn heute auch Geburtstag hat. Nach einem schnellen Weizen und Plauderei mit der Chefin und ihrer Tochter („Sonne kann ja jeder schön finden“) schaue ich kurz in die Karte, obwohl ich eh weiß, dass ich einen Bachsaibling will. Der ist köstlich, vorzüglich, und schmeckt wie ein Geburtstags-Gedicht. Nach einem „Gösser“ verabschiede ich mich, um mich wieder einmal zu wundern, wie schnell der Weg zur Stadt sich wieder anfühlt. Kein Wunder, ist die Straße doch ein prallvoller Erinerungsraum.

Nun beginnt der lästige Teil, nämlich nach dem Erwerb von ein paar Büchsen „Stiegl“ diese zurück zum Bahnhof zu schleppen. Aber weil es die letzten 2 km und etwa 50 hm des Tages sind und ich keinerlei Zeitdruck habe, ist auch das erträglich und ich freue mich darauf, dort auf einer Bank, in Begleitung vom ersten der Biere, die übliche Analyse zu machen: Eintrag der Strecke in die Wanderkarte und Messung. Etwa 26 km und ca. 740 hm waren es, in gut 11 Stunden (inklusive des Gasthof-Besuchs). Passt!

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