„Shoshanna“

Shoshanna
60/90 cm, 2018

Vorab ein kurzer juristischer Exkurs. StGB § 86 Absatz 3: „Absatz 1 gilt nicht, wenn das Propagandamittel oder die Handlung der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient“. Mehr hier: https://dejure.org/gesetze/StGB/86.html

Keine Kunst ohne Kontext, deshalb hier der Kontext: Sie sieht auf dem Bild zwar aus wie eine Blonde Maid (Nazischlampe?), ist aber eine rothaarige französische Jüdin. Sie hatte sich mit ihrer Familie auf einem Bauernhof versteckt, die dann aber von SS-Standartenführer Hans Landa aufgespürt und getötet wurde. Sie konnte als einzige fliehen und betrieb danach ein Kino im besetzten Paris. Dort wurde sie dazu gezwungen, einen deutschen Propagandafilm zu zeigen, und weil zur Premiere die komplette Nazi-Führung inklusive Führer sich angekündigt hatte, fasste sie den Plan,… stopp, ich will nicht zu viel verraten.

Es ist eine Szene aus Quentin Tarantinos Film „Inglorious Basterds“, einer wunderbaren Rache-Phantasie mit der besonders wunderbaren Mélanie Laurent als Shoshanna. Jens Jessen, der damalige Feueilleton-Chef der „Zeit“, hat den Film gründlich missverstanden, ich weiß noch genau, wie ich seinen Text Kopfschüttelnd gelesen und beiseite gelegt habe. „Kino ist Kino, alles Andere ist alles Andere!“, rief es in mir während der Lektüre ständig: http://www.zeit.de/2009/35/Kino-Inglourious-Basterds

Zum im gleichen Jahr erschienenen „Operation Walküre“ (über das Stauffenberg-Attentat) hatte er auch geschrieben (den habe ich mir nicht angeschaut, weil ich Tom Cruise nicht mag). Dieser Text zeigt ebenfalls sehr schön, wie falsch es ist, Filme, speziell solche, in denen es um Geschichts-Themen geht, „wörtlich“ zu nehmen. Da zählt dann vor allem Akkuratesse in den Details, ganz so, als könne ein Film „echt“ sein im Sinne von Realitäts-Abbildung. http://www.zeit.de/2009/04/Operation-Walkuere

Oder wie es Christoph Waltz, der für „seinen“ Hans Landa völlig zurecht einen Oscar bekam, in einem Interview mit der „Zeit“ sagte:

Frage: Andere Filme über die Nazi-Zeit versuchen, Wirklichkeit über authentische Requisiten zu schaffen. Operation Walküre mit Tom Cruise musste unbedingt im Bendler-Block gedreht werden …

Waltz: Das ist das Gegenteil von dem, das ich meine. Solche Filme sind nicht nur kein Kunstwerk, sie sind auch keine Geschichtsbetrachtung. Sie sind, im besten Fall, Unterhaltung. Dadurch entsteht keine Wahrheit, sondern Selbstgerechtigkeit. Wir erklären unsere Geschichte für erledigt, indem wir uns mithilfe solcher Authentizitätsversicherungen auf der richtigen Seite wähnen. Wir lassen die Wunde nicht mehr aufreißen.

Wen’s interessiert, hier das komplette Interview, sehr lesenswert: http://www.zeit.de/online/2009/34/interview-christoph-waltz

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3 Kommentare

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    L P ! Eitel wie bin ,hättest Du mich (Adolf H.) ruhig erwähnen können . Und AHa grüßt gut !

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    1. Theorie meines Bruders: „Kerkhoffs Kommentar bestimmt deswegen so, weil ‚Adolf H.‘ drüber steht“. Klingt logisch. Bevor Herr A.H. sich grämt, weil er nicht erwähnt wurde (was gar nicht stimmt, der Föhra wird durchaus erwähnt!), hier noch Martin Wuttke, mit Arno Bojak- (nicht Breker-) Kunst im Hintergrund: https://youtu.be/7J9ECrx_aYY

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