„Seeblick“

Seeblick
36/27 cm, 2007

Ein weiteres Überbleibsel vom „Wochenende meines Missvergnügens auf Borkum“ (vgl. Hashtag „Norddeutschland“). Das Bildmotiv erwähne ich in einem danach entstandenen Text:

Samstag

Morgens kein Strom im Zimmer. Duschen im Halbdunkel, bei geöffneter Bad-Türe. Im Frühstücksraum bekomme ich einen Hustenanfall. Im Gang kläfft mich ein kleiner Hund hysterisch an. 9.30 Uhr endlich los. In den Dünen ist es nass und glitschig. Ich rutsche aus und lande im Matsch. Nachricht an die Verleger: „Nächste Neuauflage bitte aus dem Salzkammergut“. Viele Flüche später erreiche ich den Nordstrand. Dort, im kompakten Sand, läuft es sich allerdings großartig. Während es zu regnen beginnt erreiche ich das Café „Seeblick“. Schlichte Einrichtung. Kleine Gaststube. Rund um die Theke gruppierte Vierer-Sitze. Der Wirt (sehr hager, Vollbart, Adlerblick) ist um die 50 Jahre alt. Vom Alter her könnte er der Sohn aus dem Buch sein, der Fotos aus Zeitschriften ausschnitt. Als hätte er den Raum seither nicht verlassen. Sehr leise läuft im Hintergrund ein Fernseher. Der Kondom-Automat auf dem Klo (mit „Sex-Gags“) ist aus Piding. Auf dem Weg zum Hotel besorge ich noch schnell Biere und Brotzeit für später. Danach zur „Künstler-Klause“, Bundesliga live im Fernsehen. Mainz schlägt Nürnberg 2-1. Jubel in der Kneipe. Beleidigt verziehe ich mich auf die verregnete Promenade. Drei Weizen intus, der Wochenend-Etat nahezu aufgebraucht. Ein paar Minuten später sitze ich im Hotelzimmer und esse Brötchen mit Pfeffersalami. Danach vermeide ich Unterhopfung. Während im Nebenzimmer das Hundsviech von heute morgen sich die Seele aus dem Hals jault, kommt mir die Fahrt nach Luzern in den Sinn. Dort waren Wandelen und Stanserhorn, hier dagegen… am Strand entlang laufen, über Deiche, durch Dünen… kleine Muscheln… Strandgut (Schuhe, Kanister, Seile,… Zeug)… Wind, ständig Wind… Der schönste Moment des Tages war, als ich die Stufen (Stufen mag ich sonst nicht) zur Aussichtsdüne erklomm (von wegen „erklomm“, sogar der Heidelberger Philosophenweg führt höher hinauf). Dort rauchte ich die erste der von Mattse aus New York mitgebrachten „KOOL“ und gratulierte Pia telefonisch zum Geburtstag. Die kleinen Strandläufer später waren putzig. Eilig wetzten sie am von rechts herankommenden Wasser entlang, ununterbrochen im Sand stochernd, hektisch hochbeinig eilend.

Endlich lese ich die frühere Übersetzung von Ray Chandlers „The Lady in the Lake“. Wer weiß, ob ich es ohne diesen Anlass getan hätte. Leider ist gestern das Deckblatt abgerissen.

Im Text über den genauso nassen Sonntag erwähne ich dann die Erzählung, in dem die im „Seeblick“ angesprochene Szene vorkommt. Weil aus der Neuauflage nichts wurde, ist es nurmehr antiquarisch erhältlich (und sehr empfehlenswert):

Alles in den Rucksack-Außentaschen ist durchfeuchtet. Auch Hugo Dittberners „Kurzurlaub“ quillt vor sich hin.

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