„Hamlet“

Hamlet
100/100 cm, 1999

In der Dämmerung auf Freunde wartend, kam mir an der Schaubühne eine Frau entgegen. Zerzaustes Haar, zerbeulter Mantel, in jeder Hand eine Plastiktüte, laut vor sich hin brabbelnd. „Arme Frau, lebt ganz in ihrer Welt, hat im Kopf einen Abzweig verpasst“, dachte ich, bis sie an mir vorbei huschte und ich sie erkannt habe. Die vermeintlich verwirrte Frau hatte hoch konzentriert ihren Text memoriert und kurze Zeit später einen umwerfenden Theaterabend fast ganz alleine getragen: Angela Winkler als Hamlet. Die Inszenierung von Peter Zadek, nach den Wiener Festwochen zu Gast in Berlin, hat mich derart beeindruckt, dass ich drei Bilder davon malen wollte. Leider kam ich damit nicht zurande, so dass es nur drei Fragmente wurden. Das ist eins davon. Aber wenigstens konnte ich von der merkwürdigen Begegnung erzählen. Und vielleicht spiegelt das Fragmentarische die innere Zerrissenheit der Figur sogar viel besser, als es ein „durchgemaltes“ Bild könnte.

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13470628.html

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