„Traunstein (zentral)“

Traunstein (zentral)
35/40 cm, 2003

Dass dieser Berg für mich ein besonderer ist, hatte ich ja bereits erwähnt (vgl. „Traunkirchen“)…

Baden

Wir verabreden eine Herrenpartie und fahren zu dritt nach Gmunden. Der Vater hat eine Knie-Operation hinter sich und muss deshalb langsam tun. Wir Söhne dagegen wollen in ein paar Tagen unseren Schwur von vor zwei Jahren einlösen und wieder auf den Traunstein steigen. Nach einigen Touren zum Warmlaufen ist es dann so weit und wir stehen unterhalb der Einstiegs-Eisenklammern des Neuen Naturfreundesteigs. Zügig durchsteigen wir den nahezu senkrechten Fels, der bald weniger steil wird, so dass die Trittbügel von Seilsicherungen abgelöst werden. Uns fällt auf, dass uns von unten ein Pärchen beobachtet. Es scheint unschlüssig, ob es den Weg wagen will. Nach etwa zwanzig Minuten sind wir bereits so weit oben, dass man schon von Aussicht sprechen kann, wenn man umherschaut. Das tun wir, und unseren Gesichtern sieht man den identischen Gedanken an: „saugeil“. Im Zickzack führt der Steig durch einen Waldhang und schließlich zur Scharte beim Sulzkogelturm. Dort machen wir die erste längere Rast. Danach wenden wir uns nach links und erreichen eine etwa 10m hohe Leiter. Mit Bedacht steigen wir sie langsam hoch. Nicht lange danach folgt nach einem Überhang eine glatte, bogenförmige Felsflanke mit künstlichen Tritten. Sorgsam steigen wir an ihr entlang, denn direkt zwischen den Füßen geht es senkrecht abwärts. Als ich bemerke, dass das Seil, an dem wir uns währenddessen festhalten, sich feucht anfühle, sagt der Bruder nur „Angstschweiß“. Wir genießen die stoische Konzentration, mit der wir unterwegs sind. Nach dieser kleinen Mutprobe geht es wieder durch Wald. Auf der Hohen Rast, einer schmalen Lichtung, pausieren wir erneut. Das Pärchen vom Einstieg holt uns dort ein. Froh, doch noch losgestiegen zu sein, und offensichtlich in besserer Kondition als wir. Es folgt ein Überstieg. Grat – „Böses Eck“ – Rinne – Scharte. Längst hat der Steig die Wegführung des ursprünglichen Naturfreundesteigs erreicht, dessen unterer Teil wegen zu häufigen Steinschlags verändert werden musste. Nun noch durch ein eindrucksvolles Felsentor (dankbares Fotomotiv), und nach einem kurzen Abstieg zwischen Latschenkiefern hindurch direkt hinauf zum Naturfreundehaus. Wir kehren aber nicht ein, da wir direkt weiter zum Gipfelkreuz wollen. Dort ist es wie bei unserem letzten Besuch: gleiches Wetter, gleiche Aussicht, gleiches Glück. Vor der Gmundner Hütte trinke ich dieses Mal ein Bier. Mit uns am Tisch sitzen zwei Männer, es sind Vater und Sohn. Welchen Steig sie hoch seien, fragen wir. Einen, der nicht in der Karte verzeichnet sei. Oha. „Geht’s den auch wieder runter“? „Nanaa, runta is der leemsgfäalich”. Während des weiteren Gesprächs erzählt der Vater stolz, dass sein Sohn schon in weniger als eineinhalb Stunden auf den Traunstein gestiegen sei. Was Bergsteigen betreffe, sei er für ihn eine Art Ur-Meter. Wir sind beeindruckt. Der so Bezeichnete sitzt derweil genervt daneben, die Lobhudelei ist ihm sichtlich unangenehm. Er sieht unscheinbar aus, gar nicht wie ein gockeliger Bergfex.

Beim Abstieg holen wir eine junge Frau ein. Sie ist nervös, völlig aufgelöst, zittert. Zunächst haben wir Schwierigkeiten, sie zu verstehen, denn sie spricht sehr ausgeprägt Dialekt. Irgendwann kapieren wir, was sie mit „im Schooder“ meint: Sie war auf den schotterigen Serpentinen ausgerutscht und hatte sich dabei den Po wehgetan. Die Gruppe, mit der sie unterwegs war, sei mitsamt ihrem Freund weiter abgestiegen, man treffe sich dann unten. Sauberer Freund. Wir begleiten sie bis in weniger steiles Gelände und sind froh, dass ihr das miteinander Reden gut tut. Von Minute zu Minute wird sie munterer, und beim Verabschieden bedankt sie sich überschwänglich. Am Kaisertisch haben die guten Samariter diesmal keine Gummibeine, so dass sie locker zum Moaristidl eilen können, wo sie mit dem Vater zum Vespern verabredet sind. Danach bekomme ich noch Lust auf ein Bad im See. Achtzehn Grad habe er heute. Es kostet Überwindung. Die Runde ist kurz, aber äußerst erfrischend.

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