„Transit“

Transit
70/100 cm, 2005

Kürzlich fuhr ich mit einem Bekannten von Leipzig nach München. Im Abendrot fuhren wir durch die schöne Landschaft Thüringens in Richtung Frankenwald. Auch 28 Jahre später noch habe ich immer ein komisches Gefühl, wenn die ehemalige innerdeutsche Grenze näher kommt. Ob die Bauernhöfe rechts und links von der Autobahn schon zum Sperrgebiet gehörten, in das man nur mit Passierschein kam? Kurz hinter der Brücke über die Saale, wo der Grenzübergang Hirschberg/Rudolphstein war, machten wir Station in einer Raststätte. Dort gingen mir viele Erinnerungen durch den Kopf. An das gleichmäßige „tadamm-tadamm“, wenn man über die Betonplatten der DDR-Autobahnen fuhr, oder daran, wie mein Vater aufgefordert wurde, die Rücksitzbank seines neuen Autos auszubauen. Er wusste gar nicht, dass das möglich ist, die Staatsorgane kannten das Auto des Klassenfeindes besser als dieser selbst. Jahre später sorgte es für große Erheiterung, als ein Onkel erzählte, wie in seiner Stasi-Akte beschrieben wurde, wie Vater und seine Geschwister sich jeweils an der Grenze verhalten hatten, es waren recht präzise Psychogramme. Es war eine sehr dicke Akte, weil der Onkel Landesbischof gewesen war, etwa 70 Spitzel waren auf ihn angesetzt gewesen und sein Haus natürlich verwanzt.

All das ging mir durch den Kopf, während ich einen Burger mampfte.

Das Bild zeigt einen anderen Grenzübergang, möglicherweise Helmstedt/Marienborn.

Nachtrag: Sehr wahrscheinlich ist es der Kontrollpunkt Dreilinden vor Berlin.

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