„Brille“

Brille
50/35 cm, 2001

Am 11. September 2001 war ich zu Besuch in der DDR. Und das kam so: Während eines Berlin-Besuchs am Anfang des Jahres hatte es mich verblüfft, welche Bilder im Kopf es ausgelöst hat, als ich im Aufzug des Fernsehturms am Alex plötzlich wieder den Geruch in der Nase hatte, der mir aus den alten Reichsbahn-Zügen sehr vertraut war. Weil sich alles so rasant verändert hatte, bekam ich das Bedürfnis, etwas von der früheren Atmosphäre einzufangen, und begann eine Serie von kleinen Bildern, basierend auf einem Stadtführer von Fürstenwalde, den eine Tante mir ungefähr 1988 geschenkt hatte.

Am 11.9. war ich früh im Atelier und hörte während des Malens den ganzen Tag DDR-Musik, um mich besser einfühlen zu können (meistens Silly, die waren lange meine Lieblingsband, den Zwangsumtausch habe ich oft in Plattenläden getragen, so dass ich stolzer Besitzer aller „Amiga“-Platten von ihnen bin. Bis heute grämt es mich, dass Tamara Danz viel zu früh gestorben ist). Abends lief ich beglückt nach Hause, weil dieses Bild endlich fertig war. Während ich die Nudeln ins kochende Wasser gab, lief im Hintergrund die „Tagesschau“. In Gedanken noch ganz woanders, dachte ich plötzlich „hört sich irgendwie anders an heute, irgendwie hektischer, aufgeregter“. Danach bestand der Abend natürlich aus Sondersendungen, während zugleich das Telefon heiß lief… Die Bildunterschrift im Stadtführer lautet übrigens „Mehrere Optiker sorgen in Fürstenwalde für ‚klare Sicht'“. Das hat eine gewisse absurde Komik, denn klare Sicht hatte an Nine Eleven ja praktisch niemand.

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2 Kommentare

  1. Dazu passt ein Liedbeitrag eines anderen deutschen Musikers, den der Peter zumindest kurzzeitig und in seinen Anfangsjahren schätzte. Freilich kam Heinz Rudolf Kunze an Silly nie wirklich vorbei, trotzdem passt hier der Titel des zu Zirndorfer Zeiten erschienenen Albums:
    „Du mußt besser sein Brille,
    besser als der Rest.
    Du kriegst keinen Vorsprung,
    sie nageln Dich am Boden fest.
    Wie Freiwild gehetzt
    und gemocht wie die Pest –
    Du mußt besser sein Brille,
    besser, viel besser als der Rest.“
    (Zusatz: das scharfe ß ist orthographhistorisch richtig, da noch vor „Rechtschreibreform“)

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    1. Schön und gut, aber das hat schon deutlich mehr Wucht:

      „Wie weiße Tücher schwimmt der Nebel durch die kalte Stadt
      Er macht die Pflastersteine nass, die Straßen glänzen glatt
      Aus meinem Hausflur fällt ein gelber Fetzen Licht
      Der holt mir aus der Dunkelheit ein blasses Kindsgesicht

      Ich denk, das Mädel kennst du doch
      Die ist kaum 13 Jahr
      Und flieht schon in die Dämmerung
      Und hat schon Nacht im Haar

      Bataillon d’Amour
      Bataillon d’Amour

      Zwei schmale Jungenhände streicheln ihre Brust
      Ich geh vorbei, mich streift ein warmer Hauch der Lust
      Und auf der nassen Haut der Straße, da berührn
      Sich ihre Schatten lautlos und verführn

      Verführn sich in die Liebe
      Wie in ein Labyrinth
      Wir können uns nicht wehren
      wenn’s einfach nur beginnt

      Bataillon d’Amour
      Bataillon d’Amour“

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