„Rhein-Herne-Kanal“

Rhein-Herne-Kanal
61/75 cm, 2008
Das fundamental Wichtigste beim Wandern ist gutes Schuhwerk, weil sonst…

Blase

Es ist regnerisch, die Wanderschuhe haben nach langjähriger Benutzung Löcher in den Sohlen, aber ich will heute raus. Also ziehe ich alte Halbschuhe an, fahre nach Castrop-Rauxel und laufe los. Siedlung, A 42, Wald. Nach Schloss Bladenhorst überquere ich den Rhein-Herne-Kanal und gehe ein Stück dessen Uferweg entlang. Zuhause werde ich einen Brief schreiben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

während meiner gestrigen Tour bemerkte ich den folgenden Fehler in der Karte, im Planquadrat B 3 links oben, am West-Ufer des Rhein-Herne-Kanals:

Der X10-Wanderweg führt nicht mehr direkt durch die Döninger Heide (er ist zugewachsen und wegen Nässe unpassierbar). Man muss nun noch knapp 1 km am Kanal entlang (gegenüber den Rütgers-Werken) und dann im spitzen Winkel ca. 900 m auf der Straße zurück Richtung Pöppinghausen. Dort geht es, wie in der Karte verzeichnet, weiter nach Norden.

Nach etwa zwei Stunden fangen die Füße an zu schmerzen. Gutes Schuhwerk ist wichtig. Wäre. Die Sonne scheint, aber irgendwann wird es schattig. Als ich mich umdrehe, schaue ich auf eine riesige schwarze Wolkenwand. Sofort eile ich weiter, Richtung Horneburg. Es ist gespenstisch ruhig, so als hätten sich alle Lebewesen in ihre Höhlen verkrochen. Angespannte Stille. Und kaum, dass ich den Unterstand einer Bushaltestelle erreicht habe, bricht eine Gewitterhölle los. Donner und Doria, welch ein Platzregen in der blitz-durchzuckten Finsternis!
Nachdem das Schlimmste vorüber ist, gehe ich im Nieselregen weiter Richtung Norden. An Oer-Erkenschwick und Datteln vorbei, nähere ich mich dem ausgedehnten Waldgebiet der Haardt. Die Füße schmerzen inzwischen sehr, und das nächste Gewitter kündigt sich an. Es zieht schnell vorüber, hinterlässt aber Dauerregen.

Der Wald ist durchzogen von einem Netz vieler Wege: Hauptwege, Nebenwege, Radwege, Wanderwege, Forstwege. Überwiegend nutze ich schmale Nebenwege und genieße das Unterwegs-Sein. Auf dem weichen Waldboden spüre ich die wehen Füße kaum, und was den Regen betrifft: Ich war auf Borkum, Wasser von oben stört mich nicht mehr.

Schließlich gelange ich zu einem Radweg und wende mich in Richtung Feuerwachturm am Rennberg. Auf dem Schotterweg heulen die Füße bei jedem Schritt laut auf.

Vom Turm aus hat man einen eindrucksvollen Fernblick in die umgebende Landschaft. Danach geht es nur noch darum, durchzuhalten und mich irgendwie zum Bahnhof in Haltern zu schleppen. Dass es längst nicht mehr regnet und es ein sehr schöner Moment ist, als der Weg aus dem Wald heraus an einem sonnen-beschienenen Feld vorbei führt, nehme ich kaum zur Kenntnis. Schritt. Schritt. Noch ein Schritt. Nächster Schritt. Oh, tut das weh. Schritt. Jeder bringt mich näher zum Ziel. Noch über den Wesel-Datteln-Kanal, noch ein Stück die Straße hoch – endlich.

Zuhause ergibt die Fuß-Besichtigung: Zwei Blasen links und drei Blasen rechts. Große. So viele wie noch nie.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s